Leben in der Massentierhaltung

Leben in der Massentierhaltung

Leben in der Massentierhaltung

Schweine sind ausgesprochen neugierige, lernfähige und intelligente Tiere. Ihr natürlicher Lebensraum sind Wälder mit Büschen und sumpfigen Plätzen, wo sich die Tiere in festen Revieren bewegen. Die Weibchen bilden Gruppen mit einer klaren Sozialstruktur, die aus mehreren weiblichen Tieren und ihren Jungen (insgesamt bis zu 30) bestehen und von einem der ältesten und erfahrensten Weibchen angeführt werden. Die meisten ihrer Aktivitäten führen weibliche Schweine in der Gruppe aus ‒ zeitweise betreiben sie sogar gegenseitige Körperpflege, wobei sie die Körperoberfläche ihres Gegenübers mit der Schnauze abtasten und massieren. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie mit der gemeinsamen Nahrungssuche, z.B. indem sie großflächig den Boden mit dem Rüssel nach Pilzen, Knollen, Wurzeln, Larven und Käfern durchwühlen. In der konventionellen Haltung können Schweine diesen Drang nach Erkundung kaum ausleben.

In Deutschland werden derzeit über 28 Millionen Schweine zum Zweck der Fleischproduktion gehalten.

Mastschweine

Zur Schweinemast werden sowohl männliche als auch weibliche Tiere eingesetzt. Der größte Anteil der Mastschweine lebt in Betrieben mit  400 bis 1000 Schweinen und dabei in geschlossenen Ställen, die überwiegend mit Vollspaltenböden ausgestattet sind – das bedeutet, die Tiere leben auf harten Betonböden, die abwechselnd aus Betonstegen als Auftrittsfläche und schmalen Spalten als Durchlass für Kot und Harn bestehen. Diese Böden decken sowohl den Fress- und Bewegungsbereich als auch den Liegebereich ab – nur in seltenen Fällen sind hierbei Teile des Bodens mit Einstreu bedeckt.

Derzeit werden Mastschweine in Intensivhaltung meist in Gruppen von 12–20 Tieren gehalten – seit einigen Jahren haben sich allerdings auch stark technisierte Betriebe mit Gruppengrößen von bis zu 350 Schweinen etabliert. In den Ställen haben die Tiere kaum Raum zur Verfügung: Für Mastschweine mit einem Körpergewicht von über 50–110 kg ist eine Mindestfläche von lediglich 0,75 m2 pro Schwein vorgesehen, für Schweine mit einem Gewicht von über 110 kg eine Fläche von 1 m².

Aufgrund des durch die Enge bedingten Bewegungsmangels und somit geschwächten Immunsystems der Tiere werden Schweinen in der Schweinemast routinemäßig Antibiotika verabreicht, um das Infektionsrisiko zu senken. Als weitere Folge der hohen Besatzdichten, aber auch des häufigen Fehlens von veränderbaren und wechselnden Beschäftigungsmaterialien (wie etwa nachgestreutem Stroh oder rohfaserreichen Futtermitteln), kommt es in der Schweinehaltung häufig zu Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen, die sich bis hin zum Kannibalismus entwickeln können. Als prophylaktische Gegenmaßnahme werden den Schweinen im Ferkelalter die Schwänze gekürzt (s. u.).

In der Fleischproduktion ist die Intensiv-Mast die Regel, bei der die Schweine innerhalb von 6 Monaten auf ein Endgewicht von 110–125 kg hoch gemästet werden – hierbei nehmen die Tiere bis zu 1 kg Körpergewicht pro Tag zu. Diese enormen »Leistungen« resultieren aus dem Zusammenwirken der intensiven Fütterung mit energiereichem Kraftfutter und der gezielten Zucht auf Hochleistung. Zugunsten eines möglichst hohen Gewinns auf Seiten der Landwirte, werden Schweine auf extrem beschleunigtes Wachstum und hohe Fleischfülle hin gezüchtet. Zudem werden die Körperproportionen der Tiere zunehmend den Verbraucherwünschen angepasst, indem eine Verringerung des Rückenspeckanteils (bzw. Erhöhung des Magerfleischanteils) und eine Vergrößerung des Schinkenanteils erzielt werden. Dieser Überzüchtung können die Körper der jungen Tiere nicht Stand halten, weshalb es in zahlreichen Fällen zu schwerwiegenden Erkrankungen kommt, die mitunter zum frühzeitigen Tod der Tiere führen

Muttersauen

Als Zuchtsauen werden in Deutschland überwiegend Tiere der Deutschen Landrasse eingesetzt, für welche die Merkmale große Länge, schnelles Wachstum, schwache weiße Behaarung und hohe Fruchtbarkeit charakterisierend sind. Diese Tiere leben überwiegend in Zuchtbetrieben mit einer Bestandsgröße von 200 bis 500 Sauen und dabei in Ställen, die mit Voll-oder Teilspaltenböden ausgelegt sind. Für Zuchtsauen gelten jeweils unterschiedliche Haltungsbestimmungen, abhängig davon, in welcher Phase der Zucht (Besamung, Trächtigkeit, Säugezeit) sie sich aktuell befinden:

Während der Besamungsphase (auch Bedeckung oder Belegung genannt) werden die Sauen künstlich geschwängert und meist einzeln in sogenannten Kastenständen gehalten – d h. in einem durch Metallstangen an allen Seiten eingegrenzten Stand, der mit Maßen von 0,55–0,70 m Breite und 1,6–1,9 m Länge nur unwesentlich größer ist als der Körper der Sau selbst und der in der Regel nicht mit Einstreu ausgestattet ist.

In dieser Haltungsform werden die Sauen zu fast völliger Bewegungsunfreiheit gezwungen: lediglich das Aufstehen, Niederlegen und das Ausstrecken von Kopf und Gliedmaßen sind hier möglich, wobei die Tiere jedoch nicht einmal Platz haben, sich umzudrehen, geschweige denn zu gehen (nur ein bis zwei Schritte vor und zurück sind möglich). Zusätzlich wird diesen sozialen Tieren der natürliche Umgang zu Artgenossen fast vollständig verwehrt: Durch die metallene Absperrung hindurch können allenfalls Sicht- und ansatzweise Haut- und Geruchskontakt mit den benachbarten Artgenossen stattfinden. Verhaltensstörungen wie Leerkauen und »Trauern« (Sitzen auf den Hinterläufen mit hängendem Kopf) sind die Folge.

Spätestens 4 Wochen nach der erfolgreichen Besamung im Kastenstand werden die tragenden Sauen in den »Wartestall« verlegt, wo sie in Gruppen gehalten werden. Hierbei sind Gruppen von etwa 10–20 oder auch von mehr als 100 Tieren möglich. Nicht gruppentaugliche Sauen und Sauen in Betrieben mit einer Bestandsgröße von unter 10 Sauen dürfen auch in dieser Phase einzeln gehalten werden, insofern sie sich in den Einzelständen umdrehen können. In Gruppenhaltung stehen jeder der bis zu 320 kg schweren Sauen lediglich zwischen 2 und 2,5 m² Platz zur Verfügung.

1 Woche vor der Abferkelung (Geburt der Ferkel) werden die hochträchtigen Tiere in die sogenannte Abferkelbucht verlegt, wo sie bis zum Absetzen der Ferkel (Trennung der Jungtiere von der Mutter) verbleiben. Die Situation der Sau gestaltet sich hier quasi genau wie im Kastenstand: Sie ist komplett von einem sogenannten Abferkelgitter (oft auch beschönigend als »Ferkelschutzkorb« bezeichnet) umgeben, d. h. von einem Metallkäfig mit einer Breite von 0,65–0,75 m, der ihr fast jegliche Bewegungsfreiheit nimmt.

Um die Sau herum befindet sich noch ein geringfügiges Raumangebot für die Neugeborenen (0,06 m² Ferkelnestgröße pro Ferkel). Durch die Metallabsperrung wird es der Muttersau verwehrt, einen natürlichen Kontakt zu ihren Neugeborenen aufzubauen – während der gesamten Zeit ist es ihr nicht möglich, ihre Jungen zu pflegen oder mit ihnen zu interagieren.

Im Alter von etwa 4 Wochen werden die Jungtiere von ihrer Mutter getrennt und unabhängig davon, ob sie später als Zucht- oder Mastschweine genutzt werden, zunächst in eine reine Ferkel-Gruppenhaltung gesteckt. Die Sau kommt nach dem Absetzen der Ferkel meist sofort in den Kastenstand zurück, wo sie schon nach ca. 5 Tagen erneut besamt wird, womit der Kreislauf von neuem beginnt. Diese Tortur halten die meisten Sauen nicht lange durch: Da sich bei den Tieren häufig haltungs- und zuchtbedingte Erkrankungen einstellen, werden die Sauen nach durchschnittlich 2,5 Jahren Nutzung als Zuchtsau (bzw. nach 5–6 Schwangerschaften) geschlachtet.