Veganer Boom – Was hälst du davon?

Veganer Boom - Was hälst du davon?

Veganer Boom – Was hälst du davon?

Vegane Ernährung boomt. Immer mehr Menschen verzichten auf tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier. Der Handel entdeckt Veganer als neue lukrative Zielgruppe. Doch was taugen die neuen veganen Lebensmittel? Mediziner warnen vor der radikalen Ernährungsumstellung. Wie gesund ist „vegan“ wirklich?

Kathrin Rottmann aus Schwaben in Bayern kauft nur noch ein, was pflanzlich ist. Die 34-jährige und ihre Familie leben „vegan“. Sie verzichten nicht nur auf Fleisch und Wurst wie Vegetarier, sondern auch auf alle Milch-, Käse- und Eierprodukte. Alles, was vom Tier stammt, kommt bei ihnen nicht auf den Esstisch. Für die Mutter zweier Kinder ist veganes Essen die gesündeste Form der Ernährung: „Weil man einfach viel mehr Gemüse und Obst zu sich nimmt. Wenn ich das mit früher vergleiche, ist das heute deutlich mehr. Und ich merke auch, dass ich schon ganz lange nicht mehr erkältet war.“

Vegan ist „In“

Was Familie Rottmann bereits macht, probieren immer mehr Menschen aus. Vegan ist „In“. Inzwischen gibt es vegane Koch- und Backbücher, vegane Cafés und Restaurants sowie vegane Supermärkte.

Ist vegane Ernährung wirklich so gesund wie viele meinen?
Im Einzelhandel boomt das Geschäft mit veganen Produkten. Marktforscher haben im Auftrag von Plusminus den Umsatz von rund 50 beliebten veganen Lebensmitteln ermittelt. In den letzten beiden Jahren ist deren Verkauf um fast 40 Prozent auf über 22 Millionen Euro gestiegen. Darunter viel Fleischersatz wie vegane Schnitzel oder vegane Entenbrust. Auch Wurst-, Käse- oder Milchersatzprodukte gibt es mittlerweile zu kaufen.

Zu viel Chemie

Aber: Was taugen diese neuen veganen Produkte? Plusminus kauft eine Auswahl in verschiedenen Supermärkten ein und legt diese Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern vor: „Auffällig sind die langen Zutatenlisten bei diesen Imitaten und vor allem der wahnsinnige Einsatz von künstlichen Zusatzstoffen.“

Krehl entdeckt zahlreiche Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Aromastoffe, Verdickungsmittel und Konservierungsstoffe. Die künstlichen Zusätze sollen die Ware geschmacklich und optisch attraktiv machen und dafür sorgen, dass die Produkte den Fleisch-, Milch- und Käseoriginalen ähnlich sind. Meist handelt es sich bei diesen Zusatzstoffen um pure Chemie, manchmal sogar mit Gentechnik hergestellt, was nicht deklariert werden muss. Für die Ernährungsexpertin Daniela Krehl werden diese Zusatzstoffe viel zu sorglos eingesetzt: „Einige Zusätze sind bekannt dafür, dass sie Allergie auslösen können oder auch pseudoallergische Reaktionen hervorrufen können. Das macht sich dann bemerkbar in Form von Magen-Darm-Problemen oder Hautausschlägen. Die sind alle nicht so unkritisch zu betrachten, wie uns das die Lebensmittelindustrie weiß machen möchte.“

Ist die Ware im veganen Supermarkt besser?

Neben den klassischen Supermärkten gibt es immer mehr vegane Lebensmittelgeschäfte. Ist die Ware dort besser? Plusminis besucht die Münchner Filiale der neunen veganen Supermarktkette „Veganz“. Zusammen mit Verbraucherschützerin Daniela Krehl stellen wir fest, dass viele Produkte aus dem Ausland kommen und die Zutatenlisten nur in englischer Sprache auf den Verpackungen zu finden sind. Das Geschäft verstößt damit gegen das Gesetz, so Krehl: „Laut deutscher Lebensmittelkennzeichungsverordnung ist es verpflichtend, dass eine deutsche Zutatenliste auf jedem verpackten Lebensmittel aufgedruckt ist.“ So sind viele Zutaten wie „Dipotassium Phosphate“ oder “Guar and Carob Bean Gum” auf die Schnelle nicht einmal zu erahnen – ein Problem insbesondere für Allergiker. Die Filialleiterin verteidigt sich und sagt: „Das Thema ist uns bekannt. Wir sind da auch dran, die deutsche Übersetzung da hinten drauf zu machen.“

Behörden stellen Verstoß fest

Nach den Plusminus-Recherchen ermitteln nun die Münchner Aufsichtsbehörden und versichern: In Kürze werden „alle Produkte eine deutsche Kennzeichnung aufweisen“. Und: „Die Mitarbeiter des Kreisverwaltungsreferats werden dies überwachen.“

Verbraucherschützerin Daniela Krehl stellt letztendlich fest, dass die Ware im veganen Supermarkt genauso viele Zusatzstoffe hat wie im klassischen Supermarkt. Krehl warnt sogar vor dem Griff zur Importware. In der könnten noch mehr Zusätze drin sein.

Einige Veganer verzichten aus diesem Grund auf die neuen veganen Fertigprodukte. Sie kochen selber und stets frisch. Doch veganer Küche fehlt es häufig an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Für sämtliche Ernährungsexperten ist das Risiko der Mangelernährung zu groß. Der Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim, Professor Stephan Bischoff, beobachtet bei Veganern folgende Mangelerscheinungen: „Eiweißmangel, Eisenmangel, Kalziummangel, Jodmangel, Zinkmangel, um nur einige zu nennen.“

Gesundheit in Gefahr

Die Folgen dieser Mangelerscheinungen behandelt die Ernährungsmedizinerin Yurdagül Zopf von der Uni-Klinik Erlangen. Immer häufiger kommen zu ihr Patienten, die krank sind, weil sie sich vegan ernähren: „Das häufigste Problem ist die Müdigkeit. Es können Schilddrüsenprobleme durch Jodmangel entstehen. Wir haben Patienten mit einer Eisenstoffwechselstörung, das kann natürlich zu einer Immunschwäche führen, zur Reduktion von roten Blutkörperchen, all das führt zu einem Sauerstoffmangel.“ Der Körper wird laut der Ärztin in vielfacher Hinsicht geschwächt.

Besonders schlimm ist der Vitamin-B12-Mangel. Viele Veganer leiden darunter, belegen Studien. Denn Vitamin B12 kann nur über tierische Produkte wie Fleisch, Milch, Käse oder Eier ausreichend vom Körper aufgenommen und verwertet werden, versichern die Experten.

Yurdagül Zopf macht deutlich: „Ein Vitamin B12 Mangel kann neurologisch schwere Folgen haben, wenn die Gehirnentwicklung darunter leidet, wenn die Patienten motorische Probleme bekommen. Sie können sich dann nicht mehr richtig bewegen.“

Vegane Ernährung: Körperverletzung?

Vor allem Kinder sind gefährdet. Sie brauchen Vitamin B12 für ihre Entwicklung, so Zopf: „Das ist auf jeden Fall eine Form der Körperverletzung, so würde ich es sehen. Wir haben diese ganz große Gefahr, dass Kinder, die vegan ernährt werden, Probleme entwickeln, die wir nicht mehr korrigieren können.“

Ergänzungsmittel in der Kritik

Veganer wie Familie Rottmann aus Bayern wollen mit Vitamin B12-Präparaten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln Mangelerscheinungen verhindern. Laut neuester Forschung oft ein Trugschluss. Das unterstreicht auch der Hohenheimer Professor und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin Stephan Bischoff: „Offensichtlich werden für die Aufnahme bestimmter Nahrungsstoffe andere Komponenten gebraucht, die wir meistens noch gar nicht kennen, die aber über die Nahrungsmittel gegeben sind und eben über Nahrungsergänzungsmittel leider nicht gegeben sind.“

Viele Veganer nehmen diese Warnungen nicht ernst. Familie Rottman ist dagegen vorsichtig, hat die Risiken im Blick. Sie will zwar weiterhin vegan leben, lässt sich aber regelmäßig vom Arzt untersuchen.

Andere laufen dem Ernährungstrend weiter hinterher. Sie unterschätzen die Gefahren und setzen dabei ihre Gesundheit aufs Spiel. So ist der vegane Hype ein fragwürdiges Geschäft.

Tipps bei veganer Ernährung:

Lassen Sie sich bereits im Vorfeld ärztlich beraten,

Informieren Sie sich, zu welchen Mangelerscheinungen es kommen kann und wie diese zum Beispiel durch den Verzehr bestimmter Gemüsesorten verhindert werden können,

Lassen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen und ihr Blut unter anderem auf einen Vitamin-B12-Mangel testen,

Meiden Sie hoch verarbeite Fertigprodukte und kochen sie besser mit frischen Zutaten selber.

Mein persönlicher Kommentar:

Ich halte nichts davon, das Veganer angeblich ungesund leben weil sie zu viel Chemie aus Fertigprodukten zu sich nehmen. Wenn ein “Normalesser” 2 mal die Woche nach Mc donalds geht und 5 mal die Woche von “Dosenfutter” und Fertiggerichten lebt, dann nimmt er genauso viel ungesundes zu sich wie ich, wenn ich auf Fertigprodukte zurückgreife. Mit dem feinen Unterschied, das ich meinem Körper aber noch zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe gönne, indem ich viel Obst und Gemüse esse. Viele “Normalesser” nehmen durch ihre Ernährungsweise doch viel weniger Vitamine und Mineralstoffe zu sich als Veganer. Wenn ich mich in bekannten Küchen umschaue, muss ich immer wieder feststellen, wie wenig heute noch selber gekocht wird. Ich selber kaufe so wenig Fertigprodukte, das es kaum erwähnenswert ist. Ich lasse mich 1 mal jährlich von meinem Hausarzt auf sämtliche eventuelle Mängel untersuchen. Als ich mich noch “normal “ernährt habe, hatte ich zu hohen Cholesterin und keinen nennenswerten Eisengehalt, so dass ich ein Zusatz-Präparat nehmen musste. Heute habe ich Blutwerte wovon manch einer nur träumen kann. Ob ihr Euch nun vegan ernährt oder nicht, ist eigentlich nicht entscheidend. Kocht selber mit frischen Zutaten und es wird Euch an nichts fehlen.